Wenn weinen näher ist als Worte

Mir ist oft zum Weinen zumute, ohne dass ich genau sagen könnte, ob ich traurig bin.
Es ist kein klarer Schmerz, eher ein ständiger Druck unter der Oberfläche. Etwas, das sich anstaut und keinen Namen hat.

Ich habe jahrelang meine Gefühle unterdrückt, weil sie nicht sein durften.
Weil sie zu viel waren. Oder falsch.
Meistens war es immer ich: meine Gedanken, meine Wahrnehmung, meine Art, die Welt zu fühlen – unpassend. Also habe ich gelernt, still zu sein und zu funktionieren.

Und dann sind es diese kleinen Situationen, die alles auslösen.
Im Supermarkt zum Beispiel. Die Preise sind wieder gestiegen. Ich stehe da, rechne, mir wird heiß, weil ich nicht zu viel Geld ausgeben möchte. Nicht aus Mangel, sondern aus Vorsicht. Aus Müdigkeit.

In solchen Momenten fällt etwas in mir in ein Loch.
Plötzlich ist da nicht nur der Einkauf, sondern eine viel größere Frage: Wofür eigentlich?
Wofür habe ich die letzten 15 Jahre so hart gearbeitet, mich angepasst, durchgehalten, immer weitergemacht?

Ich habe so viel gegeben.
Und manchmal fühlt es sich an, als hätte ich dafür nichts bekommen.

Ich weiß noch nicht, was die Antwort ist. Vielleicht ist es Erschöpfung. Oder die Sehnsucht nach etwas, das noch keinen Platz hatte.
Vielleicht darf das, was so lange keinen Platz hatte, jetzt langsam da sein.

bis bald, 
Deine Sarah

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