Zwischen Muskeln, Selbstbild und altem Denken – warum ich mich lange nicht als Sportlerin sehen konnte
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Früher war ich übergewichtig. Ich habe abgenommen – mit viel Verzicht, Disziplin und Sport. Damals war mein Ziel klar: Ich wollte endlich schlank sein. Ich wollte dazugehören, leicht aussehen, so wie die „Sportlichen“.
Und ich habe es geschafft – zumindest äußerlich.
Aber das Problem war: Ich hatte gelernt zu verzichten, nicht zu leben. Ich habe mir vieles verboten, was andere selbstverständlich genießen konnten. Essen war kein Genuss, sondern eine tägliche Rechenaufgabe. Bewegung war kein Spaß, sondern ein Muss.
Als ich irgendwann beschloss, den ständigen Verzicht zu beenden, kam die Zunahme fast automatisch. Mein Körper tat, was Körper eben tun: Er holte sich zurück, was ich ihm lange verwehrt hatte. Gleichzeitig wurde ich müde. Ich wollte endlich mal auf meinen Körper hören – und das hieß: ruhiger werden, weniger Druck, weniger Perfektion.
Trotzdem habe ich den Sport nie aufgegeben. Ich trainiere regelmäßig, ich hebe Gewichte, ich kann viel tragen, lange durchhalten, bin selten krank und fühle mich stark. Körperlich gesund, belastbar, stabil.
Und doch – wenn ich in den Spiegel schaue, fällt es mir manchmal schwer, dieses Bild anzunehmen. Ich sehe Muskeln, aber auch Fettpölsterchen. Ich sehe eine Frau, die nicht dem Idealbild entspricht, das sie jahrelang vor Augen hatte: dünn, drahtig, athletisch.
Vor kurzem sagte eine Bekannte zu mir:
„Ja, aber du bist doch Sportlerin – du musst essen!“
Und ich blieb kurz stehen. Sportlerin? Ich?
Ich habe mich nie so gesehen. „Sportlerin“ – das war immer jemand anderes. Jemand mit Sixpack, mit Leistungszielen, mit einem Ernährungsplan. Jemand, der nie „zu viel“ isst oder „eine Pause“ braucht.
Aber warum eigentlich? Ich bewege mich regelmäßig, ich liebe mein Training, ich kümmere mich um meinen Körper, ich bin stark. Warum sollte das nicht sportlich sein?
Vielleicht geht es gar nicht darum, ob man „eine Sportlerin“ ist. Vielleicht geht es darum, was Sport für einen selbst bedeutet.
Für mich bedeutet er heute nicht mehr Kontrolle, sondern Freiheit. Nicht mehr Selbstbestrafung, sondern Selbstachtung.
Ich esse, weil ich lebe. Ich trainiere, weil ich es kann. Ich ruhe, weil mein Körper es braucht.
Ich bin keine „klassische“ Sportlerin – aber ich bin aktiv, kraftvoll und gesund. Und vielleicht ist genau das die Definition, die mir lange gefehlt hat.
Ich muss nicht dünn sein, um sportlich zu sein.
Ich muss nicht perfekt essen, um diszipliniert zu sein.
Und ich muss mich nicht ständig verbessern, um stolz auf mich zu sein.
Ich bin stark – und das reicht.
bis bald,
Deine Sarah